Adam Ant
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Biografie
Adam Ant (voc, g, p), bürgerlich: Stuart Leslie Goddard, am 3. November 1954 in London geboren, war für die Punk-Musik, was Marc Bolan von T. Rex für die Hippie-Szene bedeutete: "ein narzisstischer, spielerisch suggestiver Wiederkäuer von Pop-Images" ("New Musical Express"). Mit Kriegsbemalung, Indianerkostüm, Piratenwams oder Trapperuniform führte er sich auf als "König der wilden Außenposten" (Albumtitel), während psychedelische Gitarren kreischten, afrikanische Stammestrommeln rumpelten, harter Punk mit Heavy Metal und Avantgarde-Gejodel kollidierte. "Der erste wahre Popstar der achtziger Jahre" ("Melody Maker"), ein Bewunderer von Roxy Music, Lou Reed, The New York Dolls, hatte während seiner Zeit als Kunststudent bei Bazooka und später bei den B-Sides musikalisch dilettiert. Aus den B-Sides schlüpften die Ants, die 1979 mit Dirk Wears White Sox ihr Plattendebüt gaben, sich in sadomasochistische Klamotten aus Malcolm McLarens Boutique "Sex" zwängten und zeitweilig von dem Promoter der Sex Pistols auch managen ließen.
1980 spaltete McLaren (siehe Bio) den Ameisen-Haufen und formierte mit einigen Abtrünnigen die früh verdorben agierende Teenband Bow Wow Wow. Adam baute sich mit Marco Pirroni (g), am 27. April 1959 geboren, ein neues Antsemble auf und avancierte mit den Hitsingles Dog Eat Dog, Ant Music, Stand And Deliver, Kings Of The Wild Frontier, Ant Rap im gemäßigteren Operetten-Look zum Prince Charming (Albumtitel) vornehmlich der britischen Amüsierjugend. Das Wechselspiel von Marcos greller Gitarre und Adams theatralischer Stimme gefiel den minderjährigen Konsumenten auch noch, als ihr Idol 1982 seine Ants in die Wüste schickte und mit Partner Pirroni auf den Solotrip ging . Goody Two Shoes, Friend Or Foe, Puss ’N’ Boots, Apollo 9 verlängerten das Hitregister des Gelegenheitsschauspielers, der sich bereits in seinen Videos so glänzend in Szene zu setzen wusste. Sprachlich haperte es nach Meinung des "NME" jedoch bei neueren Produktionen wie Vive Le Rock (1985): "Was, bitte sehr, meint Adam mit "diddy bopping", "crish crish in ninky dink", "wha-la-ba-loomb a", "doop-de-boop civilian" oder "crinkum crankum"? Ein solcher Infantilismus aus dem Munde eines erwachsenen Menschen lässt einem ja alles hochkommen." Toleranter gab sich die Fan-Postille "Smash Hits": "Wenn man ein bisschen zickig ist, könnte man sagen, das sei idiotischer Quatsch – doch in Wahrheit ist es einfach brillante und zeitlose (?) Popmusik."
Ant war sich wohl selbst nicht ganz sicher, verzichtete für die folgenden Jahre auf weitere musikalische Elaborate und siedelte in die USA um, wo er eine Karriere als Film- und TV-Schauspieler anstrebte. Pirroni verdingte sich als Studiomusiker, etwa für Sinéad O’Connor auf deren LP I Do Not Want What I Haven’t Got (1990). Erst 1990 schien Pirroni und Ant genug Gras über ihre LP von 1985 gewachsen zu sein, um sich mit der CD Manners And Physique einer neuen Generation von Hörern zu stellen. Die "Mischung von britischem Glamour-Pop und R & B aus Minneapolis" ("Rolling Stone"), letztere auf die Produktion durch den Prince-Weggefährten André Cymone zurückzuführen, war zwar "mehr Mainstream", fand aber trotz der langen Charts-Abwesenheit Ants ein erstaunlich großes Publikum.
Eingebunden in seine mittlerweile recht erfolgreiche Schauspielerkarriere (Bühne: "Entertaining Mr. Sloane", Film: "Slam Dance"), erschien die nächste Platte, Wonderful, erst 1995. "Das ist alles andere als halbherzig", konstatierte "Q" angesichts seiner zeitraubenden Filmambitionen und lobte besonders Ants "reifen, samtigen Gesang". Während er sich in der zweiten Hälfte der Neunziger nun ganz auf Theater und Film konzentrierte, ohne überragende Eindrücke zu hinterlassen, wirkte sein mittlerweile in den Samplern Antics In The Forbidden Zone (1992), Antmusic (1993), The Best (1994), B-Side Babies (1995) und The Very Best (1999) vorliegendes Gesamtwerk, das editorisch durch eine 3-CD- Antbox gekrönt wurde, musikalisch nach. So coverten beispielsweise Elastica Ants Song Cleopatra von 1979, Nine Inch Nails nahmen Physical (You’re So) aus dem Jahr 1980 auf.
Noch einmal machte Stuart Goddard alias Adam Ant im Frühjahr 2002 Schlagzeilen, als er sich vor einem Pub in Nord-London den Eintritt mit einer Waffe freizuschießen versuchte. Es war, wie sich herausstellte, nur ein Spielzeuggewehr. Trotzdem lieferten ihn die Polizisten in einer Nervenklinik ab.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Friend Or Foe (1982)
Strip (1983)
Vive Le Rock (1985)
Manners And Physique (1990)
Wonderful (1995)
The Complete Radio 1 Sessions (2001 Aufnahmen ca. 1978/79)
Zusammenstellungen:
Antics In The Forbidden Zone (1992)
B-Side Babies (USA, 1994)
Antbox (3-CD-Set, 2001)
LPs mit Adam & The Ants:
Jubilee (1978 Soundtrack, u. a. mit Brian Eno)
Dirk Wears White Sox (1979)
King Of The Wild Frontier (1980)
Prince Charming (1981)
Zusammenstellungen:
The Very Best (1982, 2004)
The Very Best:
Stand And Deliver (2006)

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