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The Allman Brothers Band

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Allman Brothers Band, The

Biografie

The Allman Brothers Band , 1969 in Macon, Georgia, gegründet, verlor seit 1971 durch den Tod hervorragender Ensemblemitglieder ständig an musikalischer Potenz. Sie war eine der wenigen rassisch integrierten Gruppen aus dem Süden der Vereinigten Staaten und orientierte sich sowohl am schwarzen Country Blues des legendären Robert Johnson als auch an den schwermütigen Jodlern des weißen Country-Sängers Jimmie Rodgers. In der Originalbesetzung Gregory "Gregg" Allman (org, voc), geboren am 8. Dezember 1947 in Nashville, Tennessee, Richard "Dickey" Betts (g), geb. am 12. Dezember 1943 in Palm Beach, Florida, Berry Oakley (bg), geb. am 4. April 1948 in Chicago, Illinois, Duane Allman (g), geb. am 20. November 1946 in Nashville, Jay Johanny "Jaimoe" Johanson (dr), als John Lee Johanson am 8. Juli 1944 in Ocean Spring, Mississippi, geboren, und Butch Trucks (dr) aus Jacksonville, Florida, musizierten sie mit einer Nonstop-Virtuosität, die stets die Empfindung gab, sie "spielten nur so aus Spaß drauflos" ("Rolling Stone").

Begonnen hatten die Gebrüder Allman ihre musikalische Karriere in diversen Schülerbands, bevor sie 1965 die Allman Joys gründeten und eine Single veröffentlichten. Als Hour Glass ging die Band nach Los Angeles und schloss mit Liberty ab; nach zwei LP-Veröffentlichungen wies die Firma die Aufnahmen zur dritten zurück. Frustriert kehrten Gregg und Duane Allman nach Florida heim und schlugen sich als Studiomusiker durch. Jerry Wexler von Atlantic wurde auf Duane Allman (siehe Bio) aufmerksam und ermunterte ihn zur Gründung einer neuen Band, die der Gitarrist in Macon zusammenstellte und The Allman Brothers Band nannte. Sein Slide-Gitarrenspiel mit charakteristischen, sirenenschrillen Aufwärtsfahrten aus schmelzenden Slow-Akkorden war typisch für den Sound der Allman Brothers. Die Spieler gaben die sonst bei Rock-Combos übliche Dominanz der Lead-Gitarre über die Rhythmusgitarre auf – zugunsten eines erregenden Wechselspiels zwischen Duanes schwebenden, gedehnten Klängen und Dickey Betts’ scharfkantigem Splitterspiel.

Die zwei Schlagzeuger lieferten einen derart komplexen Rhythmusteppich, dass Oakley sich mit seinem energetisch pulsenden Bass oft dem Duo-Spiel der Lead-Gitarren anschließen konnte. Der Gruppe gelangen in Konzerten und auf Studioalben selbst die ambitioniertesten Spielversuche von Eigenkompositionen ( In Memory Of Elizabeth Reed) und Blues-Fremdvorlagen ( Statesboro Blues) in einem dermaßen homogenen Zusammenspiel, dass sie die Kritiker "wie ein einziger schwerer Atmer" ("Billboard"), wie "ein Meistermusiker mit 30 Fingern und sechs Instrumenten" (Tony Glover) beeindruckte. Nach dem Unfalltod Duane Allmans am 29. Oktober 1971 in Macon spielte Betts als Gitarrensolist die Allman Brothers mehr in einen erdigen Blues-Sound hinein, der nach Meinung mancher Kritiker "das Beste darstellt, was die Rockmusik in jeder Stilart zu bieten hat" (Tony Glover). Als Berry Oakley am 11. November 1972 ebenfalls nach einem Motorradunfall starb, war die Band mit dem Gruppen-Novizen Chuck Leavell (p) gerade bei den Vorbereitungen zu der nächsten LP Lightnin’ Rod (Blitzableiter). Da zur gleichen Zeit drei Tourneetechniker bei Sport- und Autounfällen verunglückten, mochte dieser Albumtitel wohl als makabrer Hinweis auf den Katastrophen-Appeal des Ensembles missverstanden werden. Er wurde in Brothers And Sisters umgeändert, Lamar Williams (bg) komplettierte das Allman-Sextett. "Wir müssen uns von dem Schock auf die uns einzig mögliche Art erholen", erklärte Gregg Allman, "indem wir weiter Musik machen."

Dieser Durchhaltewille zahlte sich zunächst aus: Brothers And Sisters avancierte zwei Wochen nach der Veröffentlichung zum Multi-Millionen-Bestseller, die ausgekoppelte Hit-Single Ramblin’ Man brachte die Allmans erstmals ins AM-Radio, und beim Mammutkonzert der 600 000 von Watkins Glen im Juli 1973 erspielten sie neben Grateful Dead und The Band einen Live-Triumph, der endgültig zu beweisen schien: "Die Allman Brothers haben Amerika erobert wie keine andere Band seit Rock and Roll-Gedenken" ("Melody Maker"). Der Gruppen-Zusammenhalt wurde jedoch 1974/75 zunehmend in Frage gestellt, als Gregg Allman und Richard Betts mit separaten Alben und Tourneen ihre Soloidentität aufzubauen begannen. Im Sommer 1976 schließlich brach das Ensemble auseinander, als Gregg Allman in einem Drogenprozess gegen seinen Roadie und Leibwächter John "Scooter" Herring aussagte und damit nach Meinung einiger Band-Kollegen gegen die in der Gruppe geübte Loyalität verstieß. Betts formierte Great Southern, während sich Leavell, Johanson und Williams in der Jazz Rock-Combo Sea Level zusammenfanden und Allman Soloprojekten nachging, bei denen er auch seine Kurzzeit-Ehefrau Cher auftreten ließ. Bereits 1978 jedoch waren die Allman-Musiker wieder brüderlich vereint. Betts brachte Dan Toler (g) und David Goldflies (bg) von seinem Great Southern-Ausflug mit und spielte mit Allman, Trucks und Johanson 1979 das kompromisslos Blues- und Boogie-orientierte Album Enlightened Rogues ein. Nachdem das Label Capricorn 1980 in Konkurs gegangen war, trennten sich die Musiker 1982 ein zweites Mal. 1989, nach diversen Soloprojekten von Allman und Betts, kam die Band zu einer längeren Tournee zusammen und veröffentlichte 1990 die LP Seven Turns – für "Rolling Stone" das "Comeback des Jahres". Neu waren Allen Woody (bg) und Warren Haynes (g) hinzugekommen.

1993 traten die Allman Brothers, inzwischen eine amerikanische Institution, anlässlich der Amtseinführung des Präsidenten Bill Clinton auf. 1995 wurden sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. 1996 erhielten sie für ihre Aufnahme Jessica den Grammy "Best Rock Instrumental Performance". 1997 ersetzten Jack Pearson (g) und Oteil Burbridge (bg) Haynes und Woody, die mit ihrer experimentellen Jam-Band Gov’t Mule dem ursprünglichen Spirit der Allman Brothers folgten und bis zu Woodys Tod am 26. August 2000 zu einer der erfolgreichsten US-Live-Bands avancierten, auf einer ausgedehnten USA-Tournee. Gregg unternahm eine Solotournee, um für sein Album Searching For Simplicity zu werben. Zugleich erschien bei Polydor Chronicles die 2-CD-Retrospektive auf das Werk von Gregg Allman One More Try: An Anthology. 1998, 1999 und 2000 setzte sich die Endless Tour der Band in den Vereinigten Staaten fort und wurde 2001 auf dem Live-Album Peakin’ At The Beacon dokumentiert, das jedoch das Feuer und den Einfallsreichtum früherer Konzertmitschnitte vermissen ließ. Ob dies allein an Dickey Betts schwacher, uninspirierender Leistung lag, wie ihm die Band vorwarf, darf bezweifelt werden. Jedenfalls wurde Betts, der den Allmans mit Back Where It All Begins eines ihrer besten Repertoirestücke beschert hatte, im Jahr 2000 kurz nach dem Konzert im New Yorker Beacon Theatre, einem jährlichen Fixpunkt der Band, gefeuert. Warren Haynes, der seit 1997 ausgesetzt hatte, und der Neuzugang Derek Trucks traten mit fetzenden Gitarrenduellen in Hittin’ The Note (2003) an seine Stelle. Die Allman Brothers Band ohne Betts: "Gregg Allman singt und orgelt beseelt wie eh und je, Haynes und Derek Trucks spielen ihre Fills, Licks und Soli so fragil wie filigran, derweil Butch Trucks und Jaimoe, die alten Kämpen, mit Oteil Burbridge (bg) und Marc Quinones (perc) an einem dichten und doch federleichten Groove-Teppich knüpfen" (Peter Felkel im "Musikexpress").

Beinahe parallel dazu erinnerte die Band mit einem bis dahin unveröffentlichten Konzertmitschnitt von 1970 in der Gründungsbesetzung an die gute alte Zeit: Live At The Atlanta International Pop Festival (2003). Felkel: "Eine sensationelle Veröffentlichung, die dem als definitives Konzert-Statement der Allmans geltenden Live At Fillmore East von 1971 in nichts nachsteht." Und, als wolle die Band die Konjunktur nutzen und die Rezensionsschlappe von Peakin’ At The Beacon ausgleichen, legten die Musiker mit dem Doppelalbum One Way Out (2004) gleich noch einen Live-Mitschnitt aus dem New Yorker Rock-Tempel nach, "randvoll mit schweinerockenden Südstaaten-Novitäten und einigen alten Favoriten" (Wolfgang Doebeling im deutschen "Rolling Stone").

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
The Allman Brothers Band (1969)
Idlewild South (1970)
Live At Fillmore East (1971)
Eat A Peach (1972)
Brothers And Sisters (1973)
Beginnings (1973 Twofer der ersten beiden LPs)
Win, Lose Or Draw (1975)
Wipe The Windows, Check The Oil, Dollar Gas (1976)
Enlightened Rogues (1979)
Reach For The Sky (1980)
Dreams (1989)
Seven Turns (1990)
Shades Of Two Worlds (1991)
Live At Ludlow Garage – 1970 (1991)
An Evening With The Allman Brothers Band (1992)
Where It All Begins (1994)
An Evening With The Allman Brothers Band – 2nd Set (1996)
Fillmore East, February 1970 (1996)
Peakin’ At The Beacon (2001)
Hittin’ The Note (2003)
Live At The Atlanta International Pop Festival 1970 (2003)
One Way Out (2004)
LPs als The Hour Glass:
The Hour Glass (1968)
Power Of Love (1968)
1967–1969 (1973)
LP als Allman Joys:
Early Allman (1973)

Zusammenstellungen (Auswahl):
The Road Goes On Forever (1975)
Mycology – An Anthology (1998)
The Essential Allman Brothers Band:
The Epic Years (2004)
LPs Gregg Allman:
Laid Back (1973)
Gregg Allmann Tour (1974)
Playin’ Up A Storm (1977)
I’m No Angel (1987)
Just Before The Bullets Fly (1988)
Searching For Simplicity (1997)
Low Country Blues (2011)
LP Gregg Allman mit Cher als Allman and Woman:
Two The Hard Way (1977)

Zusammenstellungen:
One More Try:
An Anthology (1997)
The Millennium Collection (2002)
No Stranger In The Dark:
The Best Of Gregg Allman (2002)
LP Dickey Betts:
Highway Call (1974)
Bourgainville’s Call – The Very Best Of 1973–1988 LPs Dickey Betts & Great Southern:
Dickey Betts & Great Southern:
Atlanta’s Burning Down (1978)
The Collector’s 1 (2002)
Instant Live (2004)
The Official Bootleg (2007)
LPs Dickey Betts Band:
Pattern Disruptive (1988)
Let’s Get Together (2001)

Zusammenstellung:
Bougainvilleas (2006)

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