Mose Allison
Biografie
Mose Allison (voc, p), am 11. November 1927 in Tippo, Mississippi, geboren, "übersetzte schwarze und weiße Blues-Songs seines Heimatstaates in eine zeitgemäße Jazzsprache" (Joachim-Ernst Berendt). Der "Traditionalist mit progressiven Neigungen" (Rex Reed) schlug sein Piano mit der leichtgewichtigen Virtuosität Nat "King" Coles an, wobei er eine stilistische Verwandtschaft zur Bebop-Zerrissenheit Bud Powells nicht verleugnete. Seine ungeschliffene Stimme artikulierte sich, Randy Newman durchaus vergleichbar, in sanft-satirischen Blues-Balladen.
In den späten fünfziger Jahren erregte Allison mit den Eigenkompositionen Parchman Farm, Back Country Suite, Local Color sowie seiner definitiven Interpretation des Willie Dixon-Songs Seventh Son auch außerhalb der Jazz-Zirkel Aufsehen und inspirierte Rock-Artisten wie John Mayall, Georgie Fame, The Yardbirds, David Clayton-Thomas und auch The Who, die seinen A Young Man’s Blues für ihre LP Live At Leeds aufnahmen. "Das Bekannteste an Mose", befand daraufhin "Zygote", "ist sein Einfluss." Der Wanderer zwischen Jazz und Landfolklore, der noch in den Neunzigern an die 130 Live-Auftritte pro Jahr absolvierte, sah den Blues als internationales Phänomen, das ihm in der chinesischen Oper, indischen Kultgesängen und Béla Bartóks Adaptionen ungarischer Volksmusik gleichermaßen begegnete.
Die Idee einer nach Einheitlichkeit strebenden Weltkultur fand sich auch in Allisons Vortragsart, die er mit der kontinuierlichen Verarbeitung neuer Musikeinflüsse (Free Jazz, E-Musik-Avantgarde) variierte und up to date hielt. Seine spröden, nonchalanten Sketche aus den fünfziger und sechziger Jahren wurden in CD-Sammlungen wieder zugänglich gemacht. In neueren Liedern mischte der Certified Senior Citizen (Songtitel) wie stets Zeitstimmung mit Selbstironie . You Can’t Push People Around nannte die "Times" 1994 eine "New Age-Hymne". Eines Tages, sang er, "werde ich eine Punk Rock-Band mit Grauen Panthern gründen und mache in Arizona die Hölle los".
Als Van Morrison 1996 in London sein Allison-Tributalbum Tell Me Something aufnahm, tauchte der alte Herr plötzlich im Studio auf und musizierte rüstig mit. Dann demonstrierte er im Trio mit Ratzo Harris (b), Paul Motian (dr) und den Gastsolisten Mark Shimor (ts), Russell Malone (g) auf der LP Gimcracks And Gewgaws (1997) Altersweisheit mit jugendfrischem Swing. In What Will It Be meditierte er über die vielen Möglichkeiten des Todes. Texanna, das Zwiegespräch mit seiner toten Großmutter, nannte "Down Beat" "authentische, anrührende, unsentimentale Folk-Poesie". In The More You Get attackierte er das oberflächliche Gewinnstreben der Enkel.
Vierzig Jahre nach seinem Hit Blues (A Young Man), dem einzigen, den er auf dieser CD noch einmal wiederholte, schloss er mit seinem Old Man Blues den Kreis: "An old man ain’t nothing in the USA …/A young man is the man of the hour/35 years of purchasing power." Ein guter Amerikaner, der vier Kinder großgezogen hat und seit drei Jahrzehnten in Vorstädten lebt: "Ich habe stets das Gefühl gehabt, dass Kunst subversiv sei", erklärte Mose Allison die sarkastische Grundstimmung seiner Lieder. "Deshalb war ich mir auch nie ganz über meine Beziehung zur Gesellschaft im Klaren."
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Back Country Suite (1957)
Local Color (1957)
Young Man Mose (1958)
Ramblin’ With Mose (1958)
Creek Bank (1958)
Autumn Song (1959)
Transfiguration Of Hirum Brown (1959)
I Love The Life I Live (1960)
Takes To The Hills (1961)
I Don’t Worry Bout A Thing (1962)
Swingin’ Machine (1963)
Mose Allison Sings (1963)
The Word From Mose (1964)
Mose Allison Alive! (1965)
Wild Man On The Loose (1965)
Down Home Piano (1965)
Mose Allison Plays For Lovers (1966)
V-8 Ford Blues (1966)
Mose Goes (1968)
I’ve Been Doin’ Some Thinking (1968)
Hello There Universe (1969)
Western Man (1971)
Retrospective (1971)
Mose In Your Ear (1972)
Seventh Son (1973)
Your Mind Is On Vacation (1976)
Middle Class White Boy (1982)
Lessons In Living (1982)
Ever Since The World Ended (1987)
My Backyard (1989)
Sings And Plays (1991)
The Earth Wants You (1993)
Pure Mose (1994)
High Jinks! (1994)
Allison Wonderland (1994)
Gimcracks And Gewgaws (1998)
The Way Of The World (2010)
Zusammenstellungen (Auswahl):
The Best Of Mose Allison (1970)
The Best Of Mose Allison (1988)
Greatest Hits (1988)
At His Best (1990)
The London Chronicles Vol. 1 (2001)
The London Chronicles Vol. 2 (2002)


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